Wir sind nun seit fast einer Woche in China, und manche Dinge wundern mich gar nicht mehr, andere um so mehr. So sind wir trotz der recht häufigen und auch relativ langen Autofahrten jeden Tag (bis zu 2 Stunden jeden Tag im Auto in der Stadt) erst an 4 Verkehrsunfällen vorbei gekommen, 2 Blechschäden, ein umgestürzter LKW Auflieger und ein angefahrener Fußgänger den die Polizei gerade an Seite trug. (jedoch äußerlich nicht sichtbar verletzt war) Bei dem Fahrstil hier vor Ort hätte ich da mit deutlich höheren Raten gerechnet. Das wichtigste Bauteil am Auto ist im Übrigen die Hupe, ohne Hupe geht hier gar nichts (ohne Nummernschild hingegen schon, wenn man sich nicht erwischen lässt).
Unser Marktbesuch gestern Mittag nach dem Essen, wundert mich hingegen in keinster Art und Weise. Wir sind in einer Seitenstraße ausgestiegen und fanden uns in einer anderen Welt wieder. Diese Spiegelt das wieder, was man aus den Hollywood streifen kennt, allen möglichen Krempel (von den garantiert geeichten Messgeräten, über Gullideckeln hin zu Kabelrollen) konnte man auf der Straße alles erwerben. Noch spannender wurde es jedoch als wir einen dieser “Läden” schließlich betraten. Auf einer Art Estrichboden wurde dort direkt hinter der Türe eine Pumpe versucht zu reparieren, so dass man als Besucher natürlich erstmal drüber stürzt. Auch ansonsten machte der Laden wo wir schließlich auch fanden was wir suchten, einen Eindruck, der die Ludolfs als streng geordnetes Lagerhaus aussehen lässt, jeder Schritt muss überdacht sein.
Draußen gab es dann die obligatorischen “Nahrungsmittelstände”, hier gab es dann Fisch und Huhn am Stück, selbstverständlich mit garantiert eingehaltener Kühlkette, immerhin war es draußen nie wärmer als -3°C.
Was den Strom hier betrifft, so muss man Sonntagsmittags durchaus schon mal damit rechnen, dass dieser einfach abgeschaltet wird, weil Sonntags arbeitet normalerweise keine Fabrik, okay wir danach auch nicht mehr. Die Abschaltung war aber in Anbetracht manch abenteuerlicher Verdrahtungen hier vielleicht auch besser so, ein 80 Ampere Abgang wird gerne mal mit 1,5mm² ( < 16A) Kabel angeschlossen, man braucht schließlich Strom und wenn der Stecker nicht in die Steckdose passt, auch kein Problem, Stecker ab und die abisolierten Drähte in die Dose gesteckt. Ich möchte nicht wissen wie viele Leben dies pro Jahr fordert.
Da wir ja zwangsweise lahmgelegt wurden sind wir also auf in die Stadt zur Einkaufs- und Sightseeingtour, wobei letztere sehr kurz ausfiel, es gibt hier einfach keinen Grund als Tourist her zu kommen. Dem entsprechend schwer ist es auch Postkarten zu bekommen, das lokale Postamt hat irgendwelche Happy New Year Karten ausliegen, die dann in einen Briefumschlag kommen und als Brief verschickt werden. Die Briefmarken dafür, Umgerechnet rund 80 ct bis Germany, muss man mit Kleber auf das Couvert aufbringen, was dann zu einem Viertel mit Marken belegt ist, ein weiteres Viertel nimmt irgend ein chinesischer Aufdruck ein.
Daneben gab es für mich noch einen nicht gerade schönen (olivgrün) chinesischen Wintermantel, welcher zwar nicht toll ausschaut oder modisch etwas her macht, aber super warm ist.
Zum Abendessen ging es dann auf zum Dumpling essen in ein traditionelles Restaurant. Am Eingang konnte man zur Linken direkt die Vorratskammer begutachten, welche noch munter im Aquarium umher schwamm oder schon auf Eis lag. Vertrauenserweckend nicht?
Am Tisch gab es dann erstmal eine Überraschung, als uns versehentlich der Teller vom Nachbartisch auf die Platte gestellt wurde, welcher einen Stapel Entenköpfe enthielt, was jedoch erst bei genauerem Hinsehen auffiel.
Zu Essen gab es schließlich Entenfuß (was an sich ein wenig knorplig aber nicht verkehrt schmeckt), Schweinerippchen (welche eigentlich reiner Knochen sind, mit ein wenig Fleisch daran), Dumplings (Teig gefüllt mit Fleisch und Gemüse, ähnlich Tortelini, aber nicht mein Fall), Pilze im Speckmantel und ein paar andere harmlose Dinge (Glasnudeln, die an Gelantine erinnerten Beispielsweise).
Fotos: http://www.amazing-photographs.com/index.php/China-2011?page=3